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Beschreibungen Die Irrfahrt der Exodus. Eine Augenzeugin berichtet Free Online
"Über Reden kann jeder schreiben. Ich werde über ein Schiff voller Flüchtlinge berichten." Jenes Schiff, über das Ruth Gruber erzählen wollte, war die Exodus, später durch Leon Uris' Roman und dessen Verfilmung weltberühmt. Mit ihr versuchten jüdische Flüchtlinge aus Europa 1947 das unter britischem Mandat stehende Palästina zu erreichen. Zu einer Zeit, als die Alliierten zwar große Reden schwangen über den Verbleib der Displaced Persons (DPs), die den Holocaust nur knapp überlebt hatten, deren Wunsch nach einer neuen Heimat jedoch ignorierten.
Grubers Report beginnt dort, wo sie erste Eindrücke über die Nachkriegssituation der Juden erhiel -- in den DP-Camps. Einen jüdischen Waisenjungen sagen zu hören "Jeder hat ein Zuhause. Nur wir haben keins.", gehörte zu ihren prägenden Momenten als Pressebegleiterin des Anglo-amerikanischen Komitees zur Untersuchung der Palästinafrage. Entsprechend ist ihr Bericht nicht ausgewogen, die Hintergründe des britischen Vorgehens möge man anderswo nachlesen.
Grubers Sichtweise ist die jener 4.500 "Juden, die entschlossen waren, Europa und die Erinnerung an den Nazismus für immer hinter sich zu lassen". Zusammengepfercht fuhren sie auf der Exodus gen Palästina. Dort attackierten sie die Engländer mit Kriegsschiffen und schickten sie umgehend zurück. Berichte (und viele Fotos) über die Lager, die brutale Enterung des Flüchtlingsschiffes und die Behandlung der Passagiere sowie die politische Ignoranz gegenüber einer ausweglosen Situation -- Grubers emotionales Buch ist eine Ohrfeige für die vermeintlich menschenrechtsverliebten Westalliierten.
Die Schilderungen der US-Journalistin sind voller Mitgefühl gegenüber den Flüchtlingen -- verständlich angesichts des Erlebten, historisch aber nur eine Seite der Medaille. Weiß und beachtet man dies, ist Grubers Buch mindestens ebenso lesenswert wie Uris' Roman Exodus! --Joachim Hohwieler